Humboldt-Universität zu Berlin - Alte Geschichte

Weitere und abgeschlossene Projekte

Augustus Weg zur Alleinherrschaft: Inbegriff des Machtpolitikers

Dieses Dissertationsprojekt zielt darauf ab, mit Ansätzen der Theorien des neuen Autoritarismus sowie der autokratischen Transformation, die innerhalb der Alten Geschichte bisher nicht rezipiert wurden, das konzeptionelle Dilemma der Struktur des römischen Prinzipats aufzulösen. Dieses Projekt verfolgt die These, dass die kontrollierte und permanente Krise die Herrschaft des Augustus gestärkt hat und nicht, wie es in der bisherigen Forschung angenommen wird, zur dauerhaften Instabilität des Prinzipates beigetragen hat. Die strategische Verleihung vermeintlich temporärer Sondervollmachten und die inszenierte Wiederherstellung der Republik unter Augustus rechtfertigen paradoxerweise die dauerhafte Machtübernahme und die Etablierung einer stabilen Autokratie. Durch kontrollierte Konflikte wurde die Unverzichtbarkeit von Augustus starkem Führungshandeln für den Frieden Roms betont. Interessanterweise ähnelt diese Selbstinszenierung als Retter in der Not der Propagandastrategie moderner Autokraten wie Putin und Xi Jinping, die sich selbst als unersetzliche Krisenlöser präsentieren. Die autoritäre Transformation der Republik unter Augustus bezieht sich auf alle Aspekte der römischen Gesellschaft, um den Autokraten für das Gemeinwesen alternativlos zu machen.

Tomáš Pavlík

Gefördert von der Konrad Adenauer Stiftung im Rahmen des internationalen Promotionskolleg „Demokratien in Europa“

Erste Betreuerin: Prof. Dr. Claudia Tiersch

 


Anti-establishment ideology in democratic Athens

The project aims to advance our understanding of political power and leadership in democratic Athens during the fifth and fourth centuries BC. It will open new frontiers of investigation in the research on political configurations in ancient Athens by actively engaging with current trends in political science: the New Institutionalism and the scholarship on anti-establishment parties. The project will argue that an anti-establishment ideology informed Athenian institutions and discourse and influenced the nature of power in the democracy.

Matteo Barbato
(AvH-Stiftung) 64.080 €


Laughter and jest in Late Antiquity

Humor ist einerseits eine anthropologische Konstante, er vollzieht sich jedoch zugleich in kulturell codierten und historisch variablen Formen. Studien z.B. von bieten Rückschlüsse auf normtransgres-sive, aber auch normstabilisierende Formen von Humor in unter-schiedlichen historischen Gesellschaften. Worüber wurde gelacht bzw. durfte gelacht werden? Welche subversive Codes für die In-fragestellung politischer oder sozialer Leitnormen existierten in einer Gesellschaft?

Georgios Deligiannakis
(AvH-Stiftung) 9000 €



Slavery and Social Mobility in The Greek World, 800-350 BC

Die Auffassung von einer griechischen Welt der Antike als einer stratifizierten Gesellschaft mit stabilen Hierarchien ist in den letzten Jahren von der Forschung zunehmend in Frage gestellt worden. Ungeachtet rigider Hierarchien etwa in der spartanischen Gesellschaft und einer insgesamt restriktiven Praxis von Bürgerrechtsverleihungen in den griechischen Poleis konnten verschiedene Studien erhebliche Formen der sozialen und wirtschaftlichen Mobilität im archaischen und klassischen Griechenland nachweisen. Gewiß erwies sich hier die athenische Demokratie als zusätzlicher Impulsgeber, doch war es v.a. auch die enge Vernetzung und wirtschaftliche Verzahnung der griechischen Poleis, welche sich als Treiber von wirtschaftlicher Entwicklung und geographischer bzw. sozialer Mobilität erwies, auch wenn hier nach Zeiten und Orten zu differenzieren ist.
Das Projekt möchte griechische Quellen vom 8.-4. Jh. v. Chr. auf Statusunterschiede von Sklaven und deren Ursachen prüfen sowie auf Faktoren für Auf- und Abstiege. Hinzu kommt die Dynamisierung und Monetarisierung der griechischen Wirtschaft seit dem 6. Jh. v. Chr. und deren Folgen.

Marios Anastasiadis
(DAAD) 14.400 €


Das römische Komitialverfahren spätrepublikanischer Zeit und seine Rolle im politischen Leben

Das Projekt möchte den Ursachen für die allmähliche Ablösung der auf den Volksversammlungen basierenden Comitialgerichte durch spezialisierte Gerichtshöfe (quaestiones) seit dem Ende des 2. Jh. v. Chr. nachgehen. Hierfür werden sowohl die politische Debatte um die Strafverfahren nachgezeichnet als auch die Funktionalität der Comitialverfahren. Im Zentrum steht die Frage, ob das Comitialverfahren möglicherweise zu schwerfällig war, d.h. wenig geeignet, um komplizierte Sachverhalte sachgemäß und gerecht zu beurteilen, bzw. ob es mehr Zeit als die Quästionengerichte in Anspruch nahm. Diese Frage ist insofern von Relevanz, weil sie sich im Luhmannschen Sinne der Ausdifferenzierung von Verfahrensmustern widmet, die mit der Zunahme gesellschaftlicher Komple-xität verbunden waren, was jedoch zu durchaus verschiedenen Rechtslogiken führen konnte.

Wjatscheslaw Chrustaljow
(DAAD) 6525 €


Profile

Claudia Tiersch betreibt Forschungen zur Rolle der politischen Elite innerhalb der Athenischen Demokratie, zur politischen Kommunikation und zu Zeitvorstellungen in der späten Römischen Republik sowie zu den Beziehungen zwischen Staat und Kirche im Römischen Reich der Spätantike. Ihr Interesse gilt dabei vor allen Problemen der sogenannten „Kulturgeschichte des Politischen“, die in der Analyse historischer Prozesse auch nach Motiven, kulturellen Prägungen und Sinnhorizonten der Beteiligten fragt. Sie war Sprecherin der Forschergruppe C 6 ‘Cityscaping’ (zusammen mit Prof. Susanne Muth) des Exzellenzclusters 264 „The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations“ (TOPOI).

Die Schwerpunkte Wilfried Nippels liegen in der Geschichte der modernen Althistorie (mit Arbeiten u.a. zu Gibbon, Mommsen, Weber und Droysen). Er forscht zur späten römischen Republik, zur athenischen Demokratie, zur antiken politischen Theorie und ihrer neuzeitlichen Rezeption und zur Entwicklung des Frühchristentums im Kontext von Vereins- und Patronagestrukturen.

Aloys Winterling ist durch Arbeiten zur griechischen und römischen Gesellschaftsgeschichte sowie zur historischen Anthropologie ausgewiesen. Zu seinen Arbeitsfeldern gehören auch „Hof und Monarchie in Antike und früher Neuzeit“, „Aristoteles“ und „Max Weber“.


 Abgeschlossene Forschungsprojekte (in Auswahl)