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Humboldt-Universität zu Berlin - Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Geschichtswissenschaften | Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus | Forschung | Laufende Forschungsprojekte | Dissertationsprojekt: Der deutsch-jüdische Jugendbund "Schwarzes Fähnlein" und seine wechselvolle Geschichte im 20. Jahrhundert - Jugendbewegung, Erinnerungsnetzwerke und Historisierung (Lieven Wölk)

Dissertationsprojekt: Der deutsch-jüdische Jugendbund "Schwarzes Fähnlein" und seine wechselvolle Geschichte im 20. Jahrhundert - Jugendbewegung, Erinnerungsnetzwerke und Historisierung (Lieven Wölk)

Bearbeiter: Lieven Wölk

Historiographische Studien zu konservativen oder politisch rechten Vereinigungen von jüdischen Deutschen im 20. Jahrhundert sind rar. Die wenigen Ausnahmen fokussieren zumeist auf Erwachsene und ihre Betätigungsfelder im späten Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Mit dem Blick auf jüdische Jugendliche oder junge Erwachsene werden in der Forschungslandschaft fast ausschließlich zionistisch orientierte Jugendgruppen betrachtet, und gerade für die Zeit des Nationalsozialismus rückt die erzwungene Auswanderung von jungen Menschen nach Palästina in den Vordergrund.

Das Forschungsprojekt Der deutsch-jüdische Jugendbund „Schwarzes Fähnlein“ und seine wechselvolle Geschichte im 20. Jahrhundert – Jugendbewegung, Erinnerungsnetzwerke und Historisierung soll stattdessen eine wenig beachtete Sphäre deutsch-jüdischen Lebens in Form einer neuen Gesamtgeschichte erhellen. Dabei wird auf der Basis von bislang gänzlich unbekanntem reichhaltigen Quellenmaterial ein breiter Forschungszugang das explizit deutschgesinnte, stark patriotische und politisch rechte sowie bündische Schwarze Fähnlein (SF) mit offiziellem Bestand von 1932-1934 in drei Richtungen verorten:

1. wird die umfassende Gruppengeschichte mit einer tiefgreifenden Vorgeschichte der Kameraden Jungenschaft in gesamt Deutschland und unter dem erstmaligen Einbezug von weiblichen Akteuren bei den Kameraden und in der Mädelschaft des SF erforscht werden. Dabei richtet sich der Fokus auch auf die jugendbewegten Wechselbeziehungen zur dj.1.11 und dem Bund deutsch-jüdischer Jugend. Diese Richtung lässt sich als Forschung zur deutsch-jüdischen Jugendbewegung im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts (ca. 1916-1935) fassen.

2. wird die beharrliche und widerständige Auseinandersetzung von jüdischen Deutschen aus dem SF mit der veränderten politischen Lage im Nationalsozialismus erforscht werden. Hier wird das aktive Auftreten gegen die Aberkennung der deutsch-jüdischen Identität als widerständige Performanz, aber auch das Bestreben nach „rassischer“ Homogenisierung der „deutschen Volksgemeinschaft“ von nationalsozialistischer Seite – gespiegelt im antisemitischen und rassistischen Blick auf den deutschgesinnten Bund junger Juden – untersucht werden. Dabei sollen der aktive Widerstand vieler ehemaliger Mitglieder in der US-Army, der British Army oder der Résistance und deren Emigration beleuchtet werden. Diese Richtung lässt sich als Forschung zur deutsch-jüdischen Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus (ca. 1936-1945) fassen.

3. wird die Rezeptionsgeschichte des SF erforscht werden. Hier werden die Bestrebungen zur Selbsthistorisierung der ehemaligen Mitglieder und deren Erinnerungsnetzwerke von Interesse sein. Daneben soll aber auch die Forschung zu deutsch-jüdischen Jugendbünden nach 1945 kritisch betrachtet werden. Der wissenschaftsgeschichtliche Zugang ist von besonderer Bedeutung, da die Historiographie zu patriotisch deutsch ausgerichteten jüdischen Gruppierungen insbesondere über die Zeit des NS häufig vorurteilsvoll geschrieben hat. Diese Richtung lässt sich als Forschung zu deutsch-jüdischen Erinnerungsnetzwerken und zur Geschichtsschreibung nach der Shoah (1945-heute) fassen.

Förderung: Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk

Kontakt: woelklie@hu-berlin.de

Betreuer: Michael Wildt

Zweitbetreuerin: Stefanie Schüler-Springorum