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Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte der Renaissance

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Geschichtswissenschaften | Geschichte der Renaissance | Aktuelles | Archiv | Veröffentlichung des neuen Heftes von L'Homme Z. F. G. 26, 1 (2015) "mit Sprachen"

Veröffentlichung des neuen Heftes von L'Homme Z. F. G. 26, 1 (2015) "mit Sprachen"

hg. von Ulrike Krampl und Xenia von Tippelskirch

Feministische Forschung legt seit ihren Anfängen ein besonderes Augenmerk auf Sprache, ist ja Sprache ein zentraler Ort des Herstellens und Tradierens von symbolischen Ordnungen. Doch sprechen wir wirklich nur eine Sprache? Trotz der nunmehr großen Aufmerksamkeit für die diskursive und die rhetorische Dimension des Historischen blieben Sprachen auch der Geschlechtergeschichte bisher nahezu unsichtbar. Neuerdings entdeckt nun die historische Forschung die polyglotte Realität der Vergangenheit, wohl nicht zuletzt da Sprachen und ihr Gebrauch zentrale politische Fragen der Gegenwart berühren. Versteht man die Verwendung von Sprachen als soziale, kulturelle und politische Praxis, kann ihre Analyse die geschlechterspezifische Verfasstheit historischer Gesellschaften greifbar machen. 


Die Beiträge beleuchten sehr unterschiedliche, epochenspezifische Aspekte: von der Sichtbarkeit von Frauen und ihrem Sprechen in karolingischen Urkunden, dem problematischen Ort des Sprechens und der Sprachwahl von Frauen im Kontext religiöser Besessenheit im Frankreich des 17. Jahrhunderts, der geschlechterspezifischen Markierung von Fremdsprachengrammatiken um 1800 bis hin zu unterschiedlichen Deutungen von Männlichkeit in der Sprachenvielfalt Palästinas/Israels in der Erinnerung deutschsprachiger Emigranten des 20. Jahrhunderts. Sie alle zeigen, wie der Gebrauch von verschiedenen Sprachen im Laufe der Geschichte unterschiedliche geschlechtsspezifische Handlungsräume öffnen konnte. Neben den thematischen Beiträgen beleuchten mehrere Kurzbeiträge Fragen aktueller Sprachpolitik in Europa (u.a. die Debatte um den geschlechtergerechten Sprachgebrauch in Österreich).