Humboldt-Universität zu Berlin - Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

Neue Publikationen und Aktuelles

Beiträge von Laetitia Lenel über die Entwicklung wirtschaftlicher Prognoseinstrumente

Die Nachvollziehung der Entwicklung wirtschaftlicher Prognoseinstrumente steht im Zetrum zweier neu erschienenen Artikel von Laetitia Lenel. In ihrem Artikel "Searching for a Tide Table for Business. Interwar Conceptions of Statistical Inference in Business Forevasting" untersucht sie einen Prozess tiefgreifender Veränderungen in den Methoden und Überzeugungen des Harvard Committee of Economic Research, Anfang der 1920er Jahre. 

In "The Formation of the NBER. Insights from the Rockefeller Archive Center" gibt Laetitia Lenel einen Überblick über ihr aktuelles Buchprojekt und gewährt anhand von Quellen des Rockefeller Archive Centers Einblick in die Geschichte des National Bureau of Economic Research. Dieses entwickelte in den 1930er Jahren eines der bekanntesten Prognoseinstrumenten, die Frühindikatoren.


 

Untersuchung der Expansion deutscher Unternehmen in die Ukraine während des NS - Martin Lutz und Kim Christian Priemel

Die Untersuchung der Mittäterschaft deutscher Unternehmen während des NS zielte bisher meist auf die Verbrechen im Rahmen der "Arisierung" in Deutschland ab. Kaum beleuchtet wurde hingegen die Expansion von Unternehmen wie Siemens, AEG oder Philipp Holzmann in besetzte Gebiete, wie etwa die Ukraine. Das Wasserkraftwerk DniproGES (Dneprostoi) bietet den Ausgangspunkt für die Untersuchung von Martin Lutz und Kim Christian Priemel. Sie zeigen, dass private Unternehmen maßgeblich zur deutschen Invasion in die Ukraine, zu deren Besetzung und zum anhaltenden Krieg beitrugen. 

Der Artikel erschien im September 2021 im Journal of Modern History.

 

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Masterclass – The Role of Memory in Economics and History

 

Organizers: Stephanie Ettmeier (DIW Berlin and Freie Universität Berlin), Marie Huber (HU Berlin), DFG Priority Programme 1859 „Experience and Expectation“

 

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Topic

How are individual and collective memories of extreme economic moments produced in a community? How do these memories translate into the political economy and shape the realm of possibility of macroeconomic policies? Why is some statistical data and economic policy represented more factual than other in the historical narration of national economies? How do some economic indicators become more powerful symbolic frameworks than others and receive different degrees of affective intensity? How can methods and key concepts of memory studies inform and enrich the historical and economics analysis related to these questions? Taking our own research projects – dealing with the postcolonial economy of Francophone West Africa, and the recovery of the German economy from the Great Depression under the Nazis from 1933 onwards, respectively – as a starting point, we want to invite others working on economic experiences and expectations to discuss these questions with us. In a critical thinking and discussion focused workshop format we want to strengthen interdisciplinary conversation and provide methodological impulses for a broad range of research topics.

 

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Felix Römer im Gespräch mit dem WDR über fehlende Daten über soziale Ungleichheiten in der Pandemie

"Das Thema ökonomische Ungleichheit, also Armut, Einkommens- und Vermögensverteilung wurde in der Bundesrepublik seit der Nachkriegszeit vernachlässigt." Das liege unter anderem daran, dass in der amtlichen Statistik kaum Daten über soziale und ökonomische Ungleichheit produziert wurden. 

-Felix Römer im WDR 5 Politikum am 22.03.2021

 

 

 

Die gravierenden Lücken in der Datenerfassung zeige sich vor allem im Vergleich mit anderen Ländern, was Felix Römer auch in einem Artikel für den Freitag am 18.03.2021 betont:

"Das Armutszeugnis der Covid-Krise. Die Briten wissen, dass Geringsverdiener ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. In Deutschland ahnt man das meist nur."

 


Beitrag von Martin Lutz zum Verhältnis von Familienbeziehungen und ökonomischen Praktiken

Die anhaltende Relevanz von Familienbeziehungen stehen in keinem Gegensatz zur Moderne, argumentiert Martin Lutz in seinem Beitrag für den Blog Anabaptist Historians. Ausgehend von der Geschichte des eigenen Familiennamens beschäftigt Martin Lutz sich mit der Bedeutung von Verwandtschaft für die Sozialstruktur in wiedertäuferischen Gemeinschaften. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Verwandschaftsbeziehungen seit dem 19. Jahrhundert bis heute die ökonomischen Praktiken von Wiedertäufern strukturieren. Dieser Zusammenhang findet sich auch in der Geschichte der Familie Siemens wieder, die Martin Lutz in früheren Arbeiten untersucht hat. (Link)


Neue Artikel von Felix Römer zum Thema sozialer Ungleichheit

"Soziale Ungleichheit in der Pandemie. Warum Deutsche weniger darüber wissen als Briten" von Felix Römer, auf Geschichte der Gegenwart, 3.3.2021 (Link)

"Evolving Knowledge Regimes: Economic Inequality and the Politics of Statistics in the United Kingdom since the Postwar Era" von Felix Römer, in KNOW: A Journal on the Formation of Knowledge (Herbst 2020) (Link)

Die Corona-Pandemie trifft die Armen härter als die Reichen. Darüber diskutiert man in Deutschland allerdings viel weniger als in Großbritannien oder den USA. In der Bundesrepublik hat die Vernachlässigung der ökonomischen Ungleichheit eine lange historische Tradition. Diese untersucht Felix Römer in seinem Beitrag für Geschichte der Gegenwart . Die statistische Erfassung von Ungleichheit in Großbritannien diskutiert er in seinem Artikel "Evolving Knowledge Regimes" im Journal "KNOW" . Das Thema und der Artikel von Felix Römer wurde jüngst auch in der SZ aufgegriffen: Link und Link


Beitrag von Marie Huber zur gegenwärtigen Bedrohung äthiopischer Kulturerbestätten

"Bedrohte Altertümer: Äthiopiens Kulturerbe ist in Gefahr" von Marie Huber, Tagesspiegel, 9.2.2021 (Link)

Militärische Konflikte, ausbleibender Tourismus und eine gefährliche Geschichtspolitik bedrohen historische Orte und ihre Bewohner im Norden Äthiopiens, schreibt Marie Huber im Tagesspiegel. In ihrem Artikel analysiert sie die zahlreichen Gefahren, die durch die komplexe politische Lage im Land für die Kulturerbestätten Äthiopiens erwachsen. Ihre historische Bearbeitung des Themas in ihrem Buch "Developing Heritage - Developing Countries" ist kostenfrei als e-book im open access lesbar oder im Podcast Anno PunktPunktPunkt zusammengefasst (Link).


Neue Beiträge von Alexander Nützenadel und Ingo Köhler zur Finanzkrise 2008

"The financial crisis of 2008 - Experience, memory, history" von Alexander Nützenadel (Link) und "Bazookas for recovery. The renaissance of Keynesian stimulus plans since the financial crisis" von Ingo Köhler (Link), beide im Journal of Modern European History, Dezember 2020.

In seinem Diskussionsforum zur Finanzkrise 2008 und ihren Nachwirkungen versammelt das Journal of Modern European History Beiträge zu verschiedenen Aspekten der Auswirkung der Finanzkrise. Auch Alexander Nützenadel und Ingo Köhler haben Texte beigesteuert. Alexander Nützenadel analysiert in seinem Artikel die Erinnerung und Interpretation der Krise seitens Historiker*innen und Zeitzeugen. Er bilanziert unter anderem, die Geschichtswissenschaften stünden in der Verantwortung, die Spezifizität der Finanzkrise gegenüber vereinfachenden Vergleichen z.B. mit der Corona-Krise zu betonen und herauszuarbeiten. Auch Ingo Köhler betrachtet den Vergleich der Finanzkrise 2008 mit der Corona-Krise und analysiert dabei die Rolle der Erfahrungen der Finanzkrise bei der Ausgestaltung der Konjunkturmaßnahmen gegen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie.


Diskussionsbeitrag von Laetita Lenel zur Geschichtsschreibung in Zeiten von Covid-19

"Geschichte ohne Libretto" von Laetitia Lenel, auf H-Soz-Kult, 5.12.2020.

In einem Diskussionsbeitrag für H-Soz-Kult hat Laetitia Lenel darüber nachgedacht, wie sich unsere historischen Narrative angesichts der Corona-Pandemie und einer historisch anmutenden Gegenwart verändern könnten. Der Beitrag findet sich hier: Link zum Beitrag


Neues Forschungsprojekt von Ingo Köhler zur Geschichte der Hertie-Stiftung

Im Auftrag der Hertie-Stiftung wir Ingo Köhler gemeinsam mit Johannes Bähr die Geschichte des Stiftungsvermögens der Hertie-Stiftung wissenschaftlich aufarbeiten (Link zur Pressemitteilung). Dabei soll unabhängig untersucht werden, wie das von der jüdischen Familie Tietz gegründete Unternehmen Hermann Tietz oHG 1933 arisiert wurde und danach in den Besitz von Georg Karg kam, auf dessen Lebenswerk die heutige Gemeinnützige Hertie-Stiftung gründet. Zum Konzept des Forschungsauftrags gehören auch weitere Fragen zur Rolle Georg Kargs, zum Wirken des Hertie-Warenhaus-Konzerns in der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zum Abschluss des Restitutionsverfahrens nach dem Krieg und außergerichtlichen Einigungen zwischen den Familien Tietz und Karg. Für den Deutschlandfunk stellte Johannes Bähr das Projekt im Interview vor (Link). 


Neuerscheinung von Ingo Köhler

„Verdienst und Vermächtnis. Familienunternehmen in Deutschland und den USA seit 1800“ von Ingo Köhler und Hartmut Berghoff.

Familienunternehmen sind in Deutschland und in den USA zentrale Bausteine der jeweiligen Volkswirtschaft. Und doch gibt es signifikante Unterschiede in der Unternehmens- und Familienkultur sowie der institutionellen Umwelt. So wird Deutschland in den USA um seine leistungsstarken Familienunternehmen, vor allem die Hidden Champions, beneidet. Zudem bestehen deutsche Familienunternehmen im Durchschnitt deutlich länger. Wie kam es zu diesen Divergenzen? Die von der Stiftung Familienunternehmen herausgegebene historische Langzeitbetrachtung analysiert die Ursachen und Auswirkungen der Unternehmenslandschaften in beiden Ländern von der Industrialisierung im 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Link

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Neuer Artikel von Laetitia Lenel

"Gezeiten der Wirtschaft. Konkunkturprognosen und ihre Inszenierung" von Laetitia Lenel, auf Geschichte der Gegenwart, 22. November 2020.

Die Corona-Pandemie hat die Unsicherheit von Konjunkturprognosen aufgezeigt. Als Strategien der Kontingenzbewältigung sind sie trotzdem nach wie vor von großer Bedeutung. Wichtiger als die exakte Vorhersage scheinen dabei jedoch ihre interaktive Herstellung und das Versprechen der Erwartungssicherheit zu sein, wie Laetitia Lenel in ihrem Artikel auf Geschichte der Gegenwart argumentiert.

Link zum Artikel.


Digitaler Workshop "A Global History of State-Enterprises", 26. und 27.11.

Marie Huber leitet den digitalen Workshop "A Global History of State-Enterprises in Developing Countries, 1950 to present" am 26. und 27. November 2020. Der Workshop versammelt aktuelle Forschungsprojekte zu staatlichen Unternehmen aus der Wirtschafts- und Globalgeschichte, den Kulturwissenschaften und den Politikwissenschaften. Interessierte können sich auf der Website des Workshops anmelden und erhalten so die Möglichkeit, am Workshop digital teilzunehmen. 


Neuerscheinung von Ingo Köhler

"Expansion um jeden Preis. Studien zur Wintershall AG zwischen Krise und Krieg, 1929-1945" von Ingo Köhler, zusammen mit Manfred Grieger und Rainer Karlsch.

Das Unternehmen Wintershall verstrickte sich tief mit den Machenschaften des nationalsozialistischen Unrechtsregimes. Der politische Umbruch 1933 fiel in eine Zeit, in der sich der Konzern strategisch neu aufstellte und aus dem Kalibergbau in das Öl- und Leichtmetallgeschäft diversifizierte. Aus moralischem Opportunismus und geschäftlichen Pragmatismus suchte der Vorstand früh den Kontakt zu den neuen Machthabern. Wintershall positionierte sich erfolgreich in der dirigistischen Energie- und Rüstungswirtschaft, wurde zu einem Mitspieler des Rohstoffwettlaufs in Osteuropa und profitierte von "Arisierung", Fremd- und Zwangsarbeit. Diese drei Themenschwerpunkte werden in der vorliegenden Studie behandelt. Link

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Neuerscheinung von Marie Huber

"Developing Heritage - Developing Countries. Ethiopian Nation-Building and the Origins of UNESCO World Heritage, 1960-1980" von Marie Huber.

Durch den Ausbau des Tourismussektors erhofften sich viele Entwicklungsländer in den 1960ern einen wirtschaftlichen Aufschwung. Gleichzeitig war die Konstruktion von nationalem Erbe von großer politische Wichtigkeit. In ihrem neuen Buch "Developing Heritage - Developing Countries" beschreibt Marie Huber wie in Äthiopien durch Programme der UNESCO Kulturerbestätten restauriert, aber auch staatliche Kulturinstitutionen aufgebaut wurden, und so vor allem eine zunehmende Politisierung des Kulturerbes erreicht wurde. 

Das Buch erscheint am 23.11.2020, gedruckt und als e-book im open access (gefördert aus Mitteln der Gerda-Henkel-Stiftung und der Humboldt-Universität). Als Gast des Geschichts-Podcast Anno PunktPunktPunkt hat Marie Huber jüngst über ihr Buch gesprochen (Link).

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Neuerscheinung von Alexander Nützenadel

"Deutsche Bank - Die globale Hausbank 1870 - 2020" von Alexander Nützenadel, zusammen mit Catherine R. Schenk und Werner Plumpe (März 2020).

Seit ihrer Gründung im März 1870 sieht die Deutsche Bank ihren Auftrag darin, Investitionsströme und Handelsbeziehungen Deutschlands mit der übrigen Welt auch in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche auszubauen. Genau diese Rolle eines der größten Finanzinstitute Europas beleuchten drei renommierte Historiker*innen. Spannend erzählen sie von den ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen anderthalb Jahrhunderte - und was sie für die Deutsche Bank bedeuteten. Alexander Nützenadels Beitrag zum Buch deckt dabei den Zeitraum zwischen 1914 und 1989 ab.

Link zur Verlagsseite sowie zur englischen Übersetzung.

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Neuerscheinung von Laetitita Lenel

Der Sammelband "Futures Past. Economic Forecasting in the 20th and 21st Century“ (Februar 2020), den Laetitia Lenel zusammen mit Ulrich Fritsche und Roman Köster herausgegeben hat, versammelt Beiträge zur Praxis der ökonomischen Vorhersage aus historischer, soziologischer und ökonomischer Perspektive. "Futures Past" bietet faszinierende Einblicke in die Geschichte und Gegenwart ökonomischer Vorhersagen in modernen Industriestaaten. Das Buch ist als open access-Publikation erhältlich.

In ihrem Beitrag für den DHI-Blog History of Knowledge diskutiert Laetitia Lenel die gesellschaftliche und wissenschaftliche Unsicherheit in Zeiten von Covid-19 und ihre möglichen Folgen.

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Neuerscheinungen von Martin Lutz

In zwei jüngst erschienenen Publikationen untersucht Martin Lutz das Verhältnis zwischen Religion und wirtschaftlichen Praktiken. Das von ihm zusammen mit Boris Gehlen und Hans-Michael Trautwein herausgegebene Themenheft "Auf der Suche nach dem verlorenen Sinn? Unternehmer zwischen Gottesfurcht und Marktglaube im modernen Kapitalismus" des Jahrbuchs für Wirtschaftsgeschichte untersucht religiöse und säkulare Sinnzuschreibungen von Unternehmern im modernen Kapitalismus. In ihrem Artikel "Gospels of Prosperity and Simplicity. Assessing Variation in the Protestant Moral Economy" untersuchen Martin Lutz, Maren Freudenberg und Martin Radermacher die unterschiedlichen Konstellationen religiöser Diskurse und wirtschaftlicher Praktiken am Beispiel dreier protestantischer Gemeinschaften in den USA. 

Über sein ebenfalls an der Schnittstelle von Religion und Ökonomie angelegtes Habilitationsprojekt über die Amischen, Hutterer und Mennoniten in den USA hat Martin Lutz hier im Geschichts-Podcast Anno PunktPunktPunkt gesprochen.

Zu Marcel Boldorfs neuem Handbuch über die Deutsche Wirtschaft im Ersten Weltkrieg hat er außerdem ein Kapitel über die deutsche Elektroindustrie beigesteuert.

Martin