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Humboldt-Universität zu Berlin - Neueste und Zeitgeschichte

 

Astrid Mignon Kirchhof, John R. McNeil

Nature and the Iron Curtain

Environmental Policy and Social Movements in Communist and Capitalist Countries, 1945–1990

 

University of Pittsburgh Press, Pittsburgh 2019

320 Seiten

ISBN: 978-0822945451

 

Die Regierungen der sozialistischen Staaten – so die lange vorherrschende Erzählung von Forschung und öffentlicher Wahrnehmung im Westen – waren auf Industrialisierung fixiert und an Naturschutz nichts interessiert; vielmehr betrieben sie, durch fehlende gesellschaftliche Einspruchsmöglichkeiten, Raubbau am Naturbestand. Dieser Band argumentiert nicht nur, dass diese Annahme überdacht werden muss, sondern zeigt (neben den Unterschieden) die Ähnlichkeiten in Umweltschutz und -politik zwischen kommunistischen und kapitalistischen Systemen bzw. geplanten und liberalen Volkswirtschaften auf. Es zeigt sich, dass sich das Wirtschaftssystem der kommunistischen Staaten kaum von dem der kapitalistischen Staaten unterschied: Beide Systeme förderten die ökonomische Anhäufung von Reichtum, prozessgesteuerte Arbeitsabläufe und hatten ein ausbeuterisches Verständnis von Natur. Das führte dazu, dass die beiden Systeme große Mängel aufwiesen, wenn es um den Schutz von Natur und Menschen geht. Der Band zeigt indes auch die Umweltschutz-Erfolge der Länder in Ost- und Westeuropa. Der sogenannte Eiserne Vorhang war in Umweltangelegenheiten besonders durchlässig, denn die Umweltprobleme forderten zuweilen eine Zusammenarbeit über diesen hinweg und Ideentransfers waren notwendig und möglich. Einfache Verallgemeinerungen über die Kluft zwischen Ost und West, den Charakter des Umweltbewusstseins, den Kontext der Umweltpolitik und über den Kalten Krieg selbst, müssen daher korrigiert werden.