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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Geschichtswissenschaften | Ankündigungen | Ringvorlesungen | Ringvorlesung "Grenzen des Kalten Krieges" - WiSe 2016/2017 | Einzeltermine | 03.11.16 Stephan Kieninger (Berlin): Handel gegen den Kalten Krieg. Zur Geschichte des Erdgasröhrengeschäfts mit der UdSSR

03.11.16 Stephan Kieninger (Berlin): Handel gegen den Kalten Krieg. Zur Geschichte des Erdgasröhrengeschäfts mit der UdSSR

Wann 03.11.2016 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100) iCal
Wo Hauptgebäude, Unter den Linden 6, HS 1072
Kontaktname
Kontakt Telefon 030 2093 70595

Trotz des neuerlichen Rüstungswettlaufs und internationaler Krisen wurde in der ersten Hälfte der 1980er Jahre die größte Erdgaspipeline der Welt von Sibirien nach Westeuropa gebaut – wirtschaftliche Kooperation trug zur Entgiftung der Politik bei, setzte einen Kontrapunkt zur Militarisierung internationaler Beziehungen und unterstrich nicht zuletzt, dass Europa eigenständige Akzente in den Ost-West-Beziehungen setzen konnte. Bei der Errichtung der Pipeline waren also keineswegs nur Handels- und Profitinteressen im Spiel. Es ging auch darum, die Entspannungspolitik gegen weitere Erosionen abzusichern. Rein ökonomisch ging es um ein Bartergeschäft zum beiderseitigen Nutzen: Die Sowjetunion bezahlte die Kredite für westliche Technologie mit Gaslieferungen von jährlich 40 Milliarden Kubikmetern, konnte damit ihre enormen Rohstoffreserven erschließen und mit dem Export von Erdgas Devisen erwirtschaften. Die Staaten Westeuropas trieben die Diversifizierung ihrer Energieversorgung voran und konnten damit die Schockwirkungen der Ölkrise von 1973 abfedern. Trotz fortgesetzter Warnungen Washingtons vor einer wirtschaftlichen Erpressbarkeit Westeuropas und diverser Versuche der Reagan-Regierung, das Geschäft zu Fall zu bringen, wurde 1982 mit dem Bau der 4.500 Kilometer langen Pipeline begonnen. Gerade an diesem Beispiel zeigen sich das Potenzial blockübergreifender Zusammenarbeit und die Grenzen der ideologischen Konfrontation.

 

 

Dr. Stephan Kieninger wurde an der Universität Mannheim zur amerikanischen Entspannungspolitik in den 1960er und 1970er Jahren promoviert. Bis 2016 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Aktenedition “Dokumente zur Deutschlandpolitik“ im Bundesarchiv Koblenz. Im Kollegjahr 2016/2017 ist er Stipendiat des Berliner Kollegs Kalter Krieg | Berlin Center for Cold War Studies.

 

Moderiert wird der Vortrag von Prof. Dr. Hermann Wentker, Leiter der Forschungsabteilung Berlin des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin.