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Humboldt-Universität zu Berlin - Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts

Julian Rieck, M.A.

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Name
Julian Rieck M.A.
E-Mail
rieckjul (at) hu-berlin.de

Vita

  • seit 04/2014 Doktorand im Rahmen des Graduiertenkollegs "Diktaturen als alternative Ordnungen"; Stipendiat der DFG / Humboldt Graduate School.

  • 2005-2012 Studium der Politischen Wissenschaft, Neueren Geschichte und Ethnologie/Altamerikanistik an der Universität Bonn.
    Magisterarbeit mit dem Titel: "Das Ende des Schweigens: Die Anfänge der Aufarbeitung der nationalsozialistischen bzw. faschistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und in Spanien".

  • 2009-2010 Studium der Geschichte und Politischen Wissenschaft an der Universidad de Valencia, Spanien.

  • 2004 Abitur in Neuss.

Publikationen

  • Real Madrid gegen den FC Barcelona. El Clásico als spanischer Erinnerungsort, in: Thomas Fischer (Hrsg.), Fußballkulturen und Geschichte (erscheint vorrausichtlich 2018).
  • El Dorado: Die kolumbianische Division Mayor zwischen nationalem Verband, FIFA und Bürgerkrieg, in: Jörn Eiben/Alexander Friedman/Frank Jacob (Hrsg.), Geschlechterdiskurse, Helden, sportliche Nationalismen und Skandale. Die öffentliche Wahrnehmung des Fußballs im 19. und 20. Jahrhundert (erscheint vorrausichtlich 2018).
  • Fußball: ein Spiel als Vorschule für das Leben, in: Zeitreise Österreich Heft 7 2017, S.34-39.
  • Rezension zu Xosé Manoel Núñez Seixas, Die spanische Blaue Division an der Ostfront, 1941–1945. Zwischen Kriegserfahrung und Erinnerung, Münster 2016 (hier abrufbar).
  • Brennspiegel von Politik und regionaler Identität, in: William Billows/Sebastian Körber (Hrsg.), Globales Spiel. Sport, Kultur und Außenpolitik - Kulturreport EUNIC-Jahrbuch 2016 (Kulturreport, Vol.: 8), Göttingen 2016 (hier abrufbar).
  • A History of Responsibilities, in: Digital Development Debates, Issue 15 Responsibility, July 2015 (hier abrufbar).
  • Rezension zu Friedrich Paul Heller, Pinochet: Eine Täterbiografie in Chile, Stuttgart 2012 (hier abrufbar).

 

Vorträge und Konferenzbeiträge

  • "Fútbol como soft power durante la Guerra Civil Española" auf dem Internationalen Kongress Desde la Capital de la República. Nuevas perspectivas y estudios sobre la Guerra Civil Española (Valencia, capital of the Spanish Republik. New Perspectives and studies on the Spanish Civil War) in Valencia, Spanien, am 26. Oktober 2017. (Discussion paper hier abrufbar)
  • "Real Madrid as representative of spanish nationalism" bei der Konferenz Regionalism and Nationalism in Contemporary Internation Sport in Vic, Katalonien, am 29. Juni 2017.
  • "Fútbol y fascismos: un análisis comparado entre Alemania, España e Italia" am Department für Sportwissenschaften der Universidad Europea in Madrid, 14. Februar 2017.
  • Diskutant bei der Vorstellung des EUNIC-Jahrbuchs des Instituts für Auslandsbeziehungen „Globales Spiel. Sport, Kultur und Außenpolitik“ in der Botschaft des Königreichs Belgien, 4. November 2016.
  • „El régimen de Franco y el Real Madrid. Una relación recíproca beneficiosa?“ auf dem XIX Congreso Internacional de la Asociación Internacional de Hispanistas in Münster, 14. Juli 2016.
  • "Real Madrid zwischen 'Franco-Club' und 'Botschafter Spaniens'" im Rahmen der 9. Sporthistorischen Fachkonferenz Irsee, Fußball als Instrument der Nationenbildung, 13. Februar 2016.
  • "Die Fußballweltmeisterschaft 1954 im kulturellen Kontext" an der Facultad de Filología der Universidad de Complutense de Madrid, 27. Oktober 2015
  • "Der Umgang mit der Geschichte von Gewalt und Diktatur in Peru am Beispiel des Lugar de la Memoria" am Institut für Politikwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt, 23. Juni 2014.
  • "Der Umgang mit der Geschichte von Gewalt und Diktatur in Peru am Beispiel des Lugar de la Memoria" am Institut für Archäologie und Kulturanthropologie, Abteilung Altamerikanistik an der Universität Bonn, 24. April 2014.
  • "Anarchistische Staatskritik am Beispiel des spanischen Bürgerkriegs" am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Bonn, 23. Januar 2013.

Lehre und Organisation

  • Organisation und Durchführung eines Workshops mit dem Titel
    "Heil der Diktatur. Über die Attraktivität illiberaler, antidemokratischer Herrschaftsvorstellungen" an der Humboldt Universität zu Berlin am 10. - 11. November 2016 (zusammen mit Jochen Krüger und Peter Krumeich). (Tagungsbericht hier abrufbar)
  • Wintersemester 2015/16 "Heil der Diktatur? Zeitgenössische Texte zum Diktaturbegriff" (zusammen mit Jochen Krüger und Peter Krumeich).

 

Forschungsinteressen

  • Spanische Geschichte, vor allem Bürgerkrieg und Franco-Diktatur sowie Geschichte und Gegenwart der "historischen Nationen" Katalonien, Baskenland und Valencia.
  • Diktaturforschung
  • Erinnerungskultur und Umgang mit diktatorischer Vergangenheit
  • Geschichte des Fußballs
  • Geschichte Lateinamerikas

 

Interviews

 

Forschungsprojekt 

Kein Brot, nur Spiele – Die Geschichte Real Madrids in den 50er und 60er Jahren 

Real Madrid galt aufgrund seiner herausragenden Erfolge im internationalen Fußball dem spanischen Außenminister Fernando María Castiella (1957-69) zufolge als „bester Botschafter […], den wir je ins Ausland geschickt haben" und trug zur positiveren Wahrnehmung Spaniens im Ausland bei. Der Verein fungierte als ein Akteur der alternativen Außenpolitik des Franco-Regimes in der Phase der Autarkie und diplomatischen Isolation. Fußball hatte sich spätestens ab den 1950er Jahre als wichtigstes Massenspektakel in Spanien etabliert. Während das Land nach dem Bürgerkrieg wirtschaftlich am Boden lag und mit großen Versorgungsengpässen aller Art zu kämpfen hatte, baute Real Madrid eines der größten und modernsten Fußballstadien, das 125,000 Zuschauern Platz bot und häufig ausverkauft war. Dieser Zuspruch aus der Bevölkerung für den Fußball zeigt seine gesellschaftliche Relevanz sowie die Suche nach Normalität und Ablenkung in der Nachkriegszeit. Gleichzeitig liegt die Vermutung nahe, dass der Fußball als mögliches systemstützendes und integratives Mittel der Diktatur gedient hat. Zentrales Anliegen der Arbeit ist es zu klären, inwiefern der Fußball eine stabilisierende Funktion für das Regime besaß, und ob es sich von anderen außerstaatlichen Akteuren unterschied. Die vorliegende Arbeit ist deshalb nicht als Sportgeschichte, sondern als verschränkte Gesellschafts- und Politikgeschichte angelegt und greift die neuesten Forschungsansätze auf.

Wissenschaftlich ist die Rolle Real Madrids im Franquismus nur äußerst oberflächlich analysiert worden. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass die Forschung die Langlebigkeit des Franquismus erst in den letzten Jahren über die Gewalt hinaus mit Partizipation und Kooptation zu erklären versucht. Zunächst fokussierten sich die Historikerinnen und Historiker auf das franquistische Repressionssystem, das mittlerweile als facettenreich erschlossen gilt. Seit wenigen Jahren hat sich die Historiographie durch die Hinwendung zur Alltags- bzw. Regionalgeschichte den neueren Methoden der Diktaturforschung geöffnet, deren Instrumentarium für das vorliegende Dissertationsprojekt grundlegend ist. Ebenso steht die Aufarbeitung des Sports im Franquismus noch am Anfang, bietet aber erste wichtige Anknüpfungspunkte. Darüber hinaus wird auf neueste Erkenntnisse der internationalen Diktaturforschung sowie Literatur über die Zusammenhänge von Sport und Diktatur bzw. Politik zurückgegriffen

Das vorliegende Forschungsprojekt setzt sich zum Ziel, Real Madrid als nichtstaatlichen Akteur im Franquismus zu verorten, ohne den Verein als franquistisch oder faschistisch zu deklarieren und in bekannten dichotomen Narrativen zu verharren. Um zu einem umfassenderen Verständnis über die Stabilität der Franco-Diktatur zu kommen, reicht es nicht aus, sie ausschließlich anhand ihrer Unterdrückungsmechanismen zu begründen. Diese manichäische Erklärung von autoritärem Regime und hilfloser Bevölkerung würde die beträchtliche Anziehungskraft, die das System auf Teile der Gesellschaft ausübte, unterschätzen und ebenso wenig erklären, wieso sich Franco trotz aller Krisen nahezu vierzig Jahre an der Macht halten konnte. Anknüpfend an neuere Diktaturforschung, lässt sich fragen, welchen festen Rahmen („public transcript“) das Franco-Regime schuf, in dem sich die „Teilnehmer“, also in diesem Falle Real Madrid, zu bewegen hatten, um nicht in Dissens zum Regime zu gelangen. Hinter dieser äußeren Fassade, im „hidden transcript“, gab es durchaus Konflikte und Widersprüche innerhalb des „Systems“. Real Madrid konnten sich hier durchaus eigenmächtig bewegen und auch (Interessens-)Konflikte mit Regimeträgern ausfechten.

Es stellt sich also die Frage, welche Freiräume der Franquismus bot. Nach welchen unausgesprochenen Regeln und Normen funktionierte das Gebilde des „neuen Staates“, an die sich nichtstaatliche Akteure halten mussten, um erfolgreich zu sein? Welche Rolle wurde dem Sport zugesprochen? Wie stark mischte sich der Staat in die Vereinsstrukturen ein? Umgekehrt werden die Fragen nach der innen- und außenpolitischen Indienstnahme Real Madrids sowie den wirtschaftlichen Aspekten der Beziehung zwischen der franquistischen Diktatur und des Fußballclubs analysiert. Aus diesen spezifischen Fragen sollen wiederum allgemeine Rückschlüsse auf die bemerkenswerte Langlebigkeit der Franco-Diktatur (1936/39-1975) gezogen und somit ein Beitrag zur allgemeinen Erforschung von Diktaturen geliefert werden.

Im Rahmen des Graduiertenkollegs „Diktaturen als alternative Ordnungen“ werden zudem in historisch-vergleichender Perspektive allgemeine Fragen zum Problemkomplex „Diktatur“ diskutiert. Es will erforschen, wann und wie Diktaturen neben ihren destruktiven Seiten auch alternative Strukturen etablieren konnten. Wie haben sie auf ungelöste politische, soziale und wirtschaftliche Konflikte reagiert, um Stabilität zu schaffen und Legitimität herzustellen? Welche Hoffnung und Wünsche verbanden sich in Krisenzeiten mit dem Ruf nach einer Diktatur oder einer starken Führung? Warum wurden Diktaturen in der Geschichte Demokratien vorgezogen? Als Vergleichsgrößen dienen neben Spanien vor allem Deutschland während der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus sowie die Sowjetunion.