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Humboldt-Universität zu Berlin - Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts

Spanien-Exkursionen

Wo ließe sich besser die spanische Geschichte studieren, als auf der iberischen Halbinsel? Ob zwischen den Ruinen des vom Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) versehrten Belchite, in den Gondeln der Montserrat-Seilbahn hoch in Barcelonas Bergen oder zu Füßen von Goyas Pinturas Negras im Museo del Prado in Madrid – auf den von Prof. Dr. Birgit Aschmann organisierten Exkursionen bieten sich den Studierenden vielfältige Möglichkeiten dazu.

Insbesondere das in Spanien immer noch aktuelle Thema des regionalen Nationalismus stand dabei bisher im Fokus. Die letzte Exkursion im Sommersemester 2018 hatte darum Katalonien und Madrid zum Ziel. Im Frühjahr zwei Jahre zuvor führte die Exkursion die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Woche lang von San Sebastián über Bilbao nach Barcelona. So konnten die Studierenden den imagined communities (Benedict Anderson) der „Spanier“, „Basken“ und „Katalanen“ in historischer Perspektive nachspüren.

Wo liegen die Ursprünge der aktuellen katalanischen Unabhängigkeitsbewegung? Wie denken junge Studierende im Baskenland heute über die ETA? Und was soll mit dem monumentalen Valle de los Caídos – der Grablege des spanischen Diktators Francisco Franco (1892-1975) aber auch tausender republikanischer Bürgerkriegsopfer – geschehen? Diese und andere Fragen beschäftigten die Studierenden im Rahmen des Themas regionaler Nationalismus vor Ort im Austausch mit verschiedensten Gesprächspartnern. Bei Treffen mit Vertreter_innen zivilgesellschaftlicher Organisationen und aus der Wirtschaft sowie mit Journalist_innen, Kulturschaffenden und Akademiker_innen, nahmen die Studierenden die wechselvolle Geschichte und das immer noch spannungsreiche Verhältnis von spanischem Zentrum und Peripherie kritisch in den Blick. „Nation“ und „Nationalismus“ konnten so in einer Vielzahl von Perspektiven mit Expert_innen, Zeitzeug_innen und auch untereinander im geselligen Zusammensein bei Wein und Tapas diskutiert werden.

An Erinnerungsorten, bei Stadtrundgängen und in Museen wurde deutlich, wie sich der spanische (bzw. katalanische und baskische) Umgang mit der eigenen Geschichte gestaltet und sich dies in der urbanen Topographie niederschlägt. Wie wird das Straßenbild von den Fahnen der verschiedenen Nationalismen – der katalanischen Estelada, der baskischen Ikurriña, und der spanischen Nationalflagge – geprägt? Wem und welchen Ereignissen widmen sich Denkmäler und Monumente? Und wie wird mit den Spuren des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) und der franquistischen Diktatur umgegangen? Hier verbinden sich Geschichte, kulturelle Erinnerung und aktuelle Politik und werfen auch weiterhin ungelöste Probleme und Fragen auf.

 

Text: Lea Frese-Renner