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Humboldt-Universität zu Berlin - Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts

Matthias Distelkamp, M.A.

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Name
Matthias Distelkamp M.A.
E-Mail
ma.distelkamp (at) gmail.com

Akademischer Steckbrief

  • seit 2019 Stipendiat in der Promotionsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung; im Rahmen des Stipendiums Mitgliedschaft im Promotionskolleg „Sicherheit und Entwicklung im 21. Jahrhundert“

  • 2019: Beginn meiner Dissertation Die Transition und ihre Gefahren. Die Haltung des spanischen Militärs zur Demokratie am Beispiel von Andrés Cassinello Pérez am Lehrstuhl für Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts an der Humboldt-Universität zu Berlin (Erstbetreuerin: Frau Professorin Birgit Aschmann, Humboldt-Universität zu Berlin, Zweitbetreuer: Herr Professor Sönke Neitzel, Universität Potsdam)

  • 2014 bis 2016: Masterstudiengang International Relations Theory an der London School of Economics and Political Science
  • 2013: Studium International Politics an der Universität Aberystwyth
  • 2009 bis 2013: Bachelorstudiengang Governance and Public Policy – Staatswissenschaften an der Universität Passau 
  • 2009: Abitur am Collegium Augustinianum Gaesdonck 

 

Publikationen

  • ‘Persönlichkeit und Außenpolitik - ein Zusammenhang? Anwendungsfall Stalin und der Hitler-Stalin-Pakt’ Passauer Journal für Sozialwissenschaften (2/2014), S. 28-47.

 

Konferenzen, Workshops

  • 2017: Vorstellung meiner Dissertation im Doktorandenworkshop im Forschungsschwerpunkt „Gewalt, Diktatur, Genozide“ an der Universität Wien am 11.12.2017
  • 2019: Vorstellung meiner Dissertation im Berliner Kolloquium zur Geschichte Spaniens vom 24. bis 25.05.2019

     

Mitgliedschaften

  • 2014 bis 2016: Mitglied der Redaktionsleitung der wissenschaftlichen Zeitschrift Millenium - Journal of International Studies

 

Forschungsinteressen

  • Spanische Geschichte, insbesondere 20. Jahrhundert
  • Militärgeschichte, insbesondere Militär in Demokratisierungsprozessen
  • Geschichte der Collusion
  • Intelligence History

 

Forschungsprojekt 

„Die Transition und ihre Gefahren. Die Haltung des spanischen Militärs zur Demokratie am Beispiel von Andrés Cassinello Pérez“


Die Demokratisierung nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975 in Spanien war grundsätzlich gesehen ein Erfolg, jedoch sicherlich kein friedlicher Wandel. Politische Morde, Terrorismus und Gewalt waren ein prägendes Charakteristikum des Transitionsprozesses. Dabei bestand in der jungen Demokratie bis in die 80er Jahre hinein auch die Gefahr eines direkten Eingreifens des spanischen Militärs, das den demokratischen Wandel in Teilen sehr kritisch betrachtete und sich selbst die Aufgabe zuschrieb, einen eventuellen politischen Kontrollverlust durch Intervention zu verhindern. Dies wurde am gescheiterten Militärputsch 1981 am deutlichsten sichtbar. Es wäre aber zu oberflächlich, die spanischen Streitkräfte allein als eine Bedrohung für die Demokratisierung zu sehen, weil viele Militärs die Demokratie auch aktiv unterstützten, selbst wenn sie dem politischen Wandel misstrauisch gegenüberstanden. Insgesamt gesehen zeichnete sich das Verhalten der Streitkräfte durch Widersprüchlichkeit zum Systemwechsel aus. Um jedoch den spanischen Transitionsprozess besser zu verstehen, müssen die Nuancen und Widersprüche in der Haltung des Militärs zur Demokratie herausgearbeitet werden. Bisher ist einer Innenansicht der Streitkräfte in der spanischen Transition aber zu wenig Beachtung geschenkt worden, was auch an der schwierigen Quellenlage liegt. Das Dissertationsvorhaben analysiert diese Innenansicht methodisch durch einen biographischen Ansatz und verdeutlicht somit beispielhaft die Ambivalenzen in der Haltung der Militärs zur Demokratie.


Der ausgewählte Militär, Andrés Cassinello Pérez, war Chef verschiedener Nachrichtendienste in Spanien und befürwortete einen kontrollierten demokratischen Wandel nach der Diktatur. Er war bereit, Kernelemente des franquistischen Selbstverständnisses aufzugeben. Deutlich wurde dies dadurch, dass er sich für eine stärkere Föderalisierung Spaniens und die Legalisierung der Kommunistischen Partei einsetzte. Diese Einstellung brachte ihn aber in Konflikt mit Teilen der Streitkräfte, die darin eine Bedrohung für Spanien sahen und Cassinello somit als Verräter betrachteten. Cassinellos Kampf gegen die baskische Terrororganisation ETA brachte ihn wiederrum in Konflikt mit rechtsstaatlichen Praktiken und der Presse. Er wurde mit vom spanischen Staat organisierten illegalen Anti-Terrorkommandos in Verbindung gebracht, die vermeintliche ETA-Terroristen in Südfrankreich entführten, folterten und ermordeten.  Für seine Kritiker symbolisierte Cassinello nun das antidemokratische und franquistische Erbe, das den Transitionsprozess negativ beeinflusste. Am Beispiel Cassinellos zeigt dieses Forschungsprojekt somit, welche Gefahren die Militärs während der Transition wahrnahmen und wann sie selber zur Gefahr für die Demokratisierung wurden.


Mein Dissertationsvorhaben bringt die Forschung über militärische Transitionsprozesse und Collusion zusammen. Collusion bezeichnet die geheime und illegale Ermordung von Terroristen und „Staatsfeinden“, die von staatlichen Sicherheitsorganen entweder selbst durchgeführt oder zumindest unterstützt wird. Ziel ist es, am spanischen Beispiel zu zeigen, dass es keine Dichotomie zwischen Gegnern und Befürwortern von Demokratisierung und Rechtsstaat innerhalb der Streitkräfte in Transitionsprozessen gibt, da die Einstellungen der Militärs gegenüber der Demokratie je nach Kontext widersprüchlich sein können.