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Humboldt-Universität zu Berlin - Neueste und Zeitgeschichte

Dr. Peter Ulrich Weiß - Forschungsprojekte

 

Deutsche Zentralarchive in den politischen Systemen des 20. Jahrhunderts

 

Geht es um Diktatur-Verstrickung und politische Indienstnahme von Wissenschaft, Bildung und Verwaltung in Deutschland, blieben und bleiben Archive und Archivare meist außen vor. Das ist erstaunlich, denn als Angestellte und Dienstleister in zumeist staatlichem Auftrag befassten sie sich nicht nur mit dem komplexen Prozess der archivalischen Überlieferungsbildung, sondern auch mit der Herausgabe, Steuerung und Produktion von historischen Quellen, Geschichtsdiskursen und Herrschaftswissen. Erste Studien belegen nun, dass Archivare diktatorische Herrschaftsregime nicht nur passiv mitgetragen, sondern auch aktiv mitgestaltet haben. Die selbstgestrickte Legende vom unpolitischen Archivar ist damit kaum mehr zu halten. Am Beispiel des Reichs- und Bundesarchivs sowie des Deutschen Zentralarchivs der DDR untersucht das Forschungsprojekt in vergleichender Absicht die politische Rolle deutscher Zentralarchive und ihrer Mitarbeiter in den verschiedenen Gesellschaftssystemen des 20. Jahrhunderts. Wesentlicher Gegenstand der Studie sind die NS-Belastung und der problematische Umgang mit ihr nach 1945 in institutionen- und biographiegeschichtlicher Perspektive. Dabei wird auch nach Professionalisierungsvorgängen, der Herausbildung spezifischer Archivkulturen und den ideologischen Prägekräften für die Überlieferungsbildung im so genannten Zeitalter der Massenakten gefragt.

 


 

Erosion und Überwindung der SED-Herrschaft in Potsdam. 1985-1990

 

Potsdam galt als eine der „roten“ Bezirksstädte der DDR. Ihre Funktion als regionales Herrschaftszentrum der SED, Grenzstadt zu West-Berlin und bedeutender Wissenschafts- und Ausbildungsstandort ließ Potsdam zu einem Ballungsraum für systemloyale Eliten werden. Doch trotz des Anscheins von Stabilität war Potsdam nicht von der landesweiten gesellschaftlichen Entwicklung der 1980er Jahre abgekoppelt, die zunehmend von zwei parallel verlaufenden Prozessen bestimmt war: Erstens von der allmählichen Erosion der SED-Herrschaft auf wirtschaftlichem, politischem und ideologischem Gebiet und zweitens vom erstarkenden Widerstand gegen das SED-Regime, der sich insbesondere durch die entstehende Ausreise- und Oppositionsbewegung zeigte. Aufgabe des Projektes ist die Analyse der konfliktvollen Beziehungsgeschichte zwischen lokalen Herrschaftseliten und oppositionellen Gegeneliten bis in die Phase der Transformation Potsdams zur Landeshauptstadt hinein. Dabei geht es gleichermaßen um politische Interaktions- und Mobilisierungsprozesse im Umbruch 1989/90 wie um Fragen nach Milieustabilität und nach Austausch und Überleben von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten.
 

Das Projekt wird gemeinsam mit Dr. Jutta Braun, Universität Potsdam, durchgeführt.

 


 

Gespaltene Erinnerung: Die „Revolution“ von 1989 in der öffentlichen Wahrnehmung Rumäniens. Vergangenheitspolitik in Rumänien nach 1989

Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung

 

Kaum ein zeitgeschichtliches Ereignis wurde und wird in Rumänien dauerhaft so kontrovers diskutiert wie die Tele-Revolution vom Dezember 1989, mit der die Front der Nationalen Rettung um den kommunistischen Ex-Funktionär Ion Iliescu die Macht übernahm. Die Tatsache, dass zwar ihr Ereignisverlauf weitgehend rekonstruiert, jedoch nahezu sämtliche Hintergründe durch Desinformation und Verschleierung „von oben“ ungeklärt geblieben sind, spaltete das Land und seine Erinnerungskultur in ein staatlich-regierungsnahes und ein zivilgesellschaftlich-oppositionelles Lager. Beide Seiten forschen, interpretieren und erinnern in strikter Abgrenzung voneinander die Vorgänge auf ihre Weise.

Wie sich die postkommunistische Gesellschaft über diese Revolution verständigt, soll in dem Forschungsprojekt anhand von Erinnerungsstrategien und Gedächtnisarbeit der unterschiedlichen Akteure in diskursiver, institutioneller und praktischer Hinsicht untersucht werden.