Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Neueste und Zeitgeschichte

Bodo-Michael Baumunk

Name
Bodo-Michael Baumunk

Doktorand

E-Mail: daheim (at) bodo-baumunk.de

 

I. Vita

 

Während des Studium von Kunstgeschichte und Empirischer Kulturwissenschaft in Tübingen und Berlin (FU) kuratorische Mitwirkung an großen Geschichtsausstellungen (Staufer 1977, Preußen 1981). Verantwortete danach historische, wissenschaftshistorische und naturwissenschaftliche Ausstellungen, u. a. »Hauptstadt, Zentren, Residenzen, Metropolen in der deutschen Geschichte« (1987), »Darwin und Darwinismus« (1994), »Sieben Hügel« (2000) und die Dauerausstellung im Deutschen Hygiene-Museum Dresden (2005). In der letzten Zeit mehrfach mit religiösen Themen befasst, vor allem in Gestalt der Ausstellungen »Koscher & Co. Über Essen und Religion« (Jüdisches Museum Berlin) und »Leben nach Luther. Zur Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses« (Deutsches Historisches Museum). 1992 Studienabschluss (Magister) über den Reisejournalisten Colin Ross.

 

 


 

Dissertationsprojekt

 

Fred Hildenbrandt und das Feuilleton im »Berliner Tageblatt« 1922 – 1931

 

Das »Berliner Tageblatt« gehört zu den Monumenten der deutschen Pressegeschichte. Über Einfluss und politische Ausrichtung der Zeitung, die in seiner engen Bindung an die Deutsche Demokratische Partei und damit eine der parlamentarischen Säulen der Weimarer Republik ablesbar ist, herrscht weitgehend Konsens. Was die Rolle der Zeitung im kulturellen Spektrum der Dekade angeht, fällt indes der Befund, der sich auf einzelne prominente Mitarbeiter der Zeitung wie Alfred Kerr konzentriert, angesichts einer fehlenden Gesamtdarstellung fragmentarisch aus oder wird von der politischen Linie der Zeitung aus gesehen summarisch als »liberal« verallgemeinert.

Dies ist umso problematischer, als diese Zeit einen Bedeutungswandel des Begriffs »Feuilleton« markiert: den Übergang von einer Nischenexistenz (»Unter dem Strich«) innerhalb der Tagespresse zu deren – wie zeitgenössische Kritik anmerkte – neuem journalistischem Leitbild. Ein Prozess, in dessen Verlauf das Erscheinungsbild des Blattes und die plurale Präsenz einer ganzen Reihe seiner Autorinnen oder Redakteuren quer durch die Ressortgrenzen immer weniger erkennen ließen, wo die »Kultur« aufhörte und Lokal-, Reise- und Sportberichterstattung, ja sogar die Politik begannen.

Der Anspruch, ein Gesamtbild der Kultur auf den Seiten des »Berliner Tageblatts« zu umreißen, kann nicht umhin, den Blick auf den Feuilletonchef Fred Hildenbrandt (1892–1963) zu richten, der als Theodor Wolffs »junger Mann« galt. Dies scheiterte bisher an dem Umstand, dass Hildenbrandt biographisch ein nahezu unbeschriebenes Blatt geblieben ist, was auf die eigenen Mystifikationen seines Lebenslaufs sowie ein schamhaftes Beschweigen angesichts seines systemkonformen Verhaltens nach 1933 zurückzuführen ist.

Dabei ist Hildenbrandts Herkunft aus prekären Familienverhältnissen sowie sein Status als einer der beiden Nichtakademiker auf der Verantwortungsebene dieses auf gelehrte Reputation bedachten bürgerlichen Blattes einer der Schlüssel für wesentliche Veränderungen, die das Verständnis von Kultur in dieser Zeitung erfuhr: Sein Interesse an der soziographischen (nicht soziologischen) Reportage, an neuen populären Medien wie Film, Radio und »Ausdruckstanz«, eine Vorliebe für sozial randständige literarische Existenzen und subproletarische Milieus, das Überspielen gängiger Schreibkonventionen – dies alles gepaart mit einem im Kontext dieser Zeitung geradezu aufreizend unterentwickelten Sensorium für den institutionellen Charakter von Politik und Demokratie.