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Humboldt-Universität zu Berlin - Südosteuropäische Geschichte

Profil des Lehrstuhls für Südosteuropäische Geschichte

Am Lehrstuhl wird schwerpunktmäßig Forschung und Lehre zur Geschichte Südosteuropas im 19. und 20. Jahrhundert in einer vergleichenden Perspektive betrieben. Bisherige Schwerpunkte, zu denen der Lehrstuhlinhaber länger gearbeitet hat und die weitergeführt werden sollen, ließen sich etwa wie folgt benennen:

  • Sozialer Wandel in der spätosmanischen und späthabsburgischen Gesellschaft in Südost- und Ostmitteleuropa
  • Familie, Verwandtschaft und Sozialstaat in historischen europäischen Vergleichen
  • Gesellschaftliche Integration in Südost- und Ostmitteleuropa in der Ära des Sozialismus
  • Theorie und Verlauf ethnischer Konflikte
  • EU-Integration und Transformationsgeschichte Südosteuropas
  • Methoden und Theorien der Historischen Anthropologie

Darüber hinaus wird es auch darum gehen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Lehrstuhl auch andere Themen der Forschung zum südost- und mitteleuropäischen Raum erschließen. Die Beschäftigung mit der Geschichte Südost- und Mitteleuropas bietet auf jeden Fall die Möglichkeit, maßgebliche Themen europäischer Geschichte und Gegenwart exemplarisch zu diskutieren. Genannt seien hier u. a. etwa nur Multiethnizität und -konfessionalität, Diktaturprägung und Demokratisierung, Gewalt- und Kriegserfahrung, Nationsbildung in multikonfessionellen Gesellschaften, Wohlfahrtsstaatsentwicklungen, Migration usw. Konzeptionell gilt es grundsätzlich noch weiter auszuholen. Gesellschaftliche Identitätsstiftungen und Sinndeutungen sozialer Ordnungen waren in Europa (und darüber hinaus) sehr lange Zeit zutiefst in bi-polare Weltsichten von „Ost“ und „West“ oder – für die historische Beschäftigung mit Südosteuropa lange noch prägender – von „Okzident“ und „Orient“ verstrickt. Dabei wurde der „Südosten/Osten“ Europas in der historischen Wissensproduktion stark über real existierende wie auch imaginierte „Andersheit“ konstituiert. Wendet man den Blick um, so wird gleichzeitig auch offenbar, wie stark die Vorstellung eines „Orients“ oder das Existieren eines „Ostens“ implizit auch Bedeutung für die Formierung eines „Westens“ hatten. In der Auseinandersetzung mit der Geschichte Südosteuropas – wie sie an diesem Lehrstuhl betrieben wird – soll es somit nicht nur um die historische Gewordenheit eines in der historischen Entwicklung in mancher Hinsicht auch sehr spezifisch kontextualisierten „Europa“ gehen, sondern auch um das enge Ineinandergreifen inneuropäischer Denk- und Beziehungsmuster. In der Beschäftigung mit Herangehensweisen solcher „entangled histories“ macht Kooperation über die engere regionalgeschichtliche Ausrichtung des Lehrstuhls hinaus sicherlich sehr viel Sinn und diese wird auch systematisch angestrebt. Als primäre Bezugskontexte könnte man Mittel-, West- und Osteuropa einerseits aber auch die Mittelmeerwelt und den Nahen Osten andererseits verstehen. Ein wichtiger Forschungsansatz des Lehrstuhls ist die Historische Anthropologie. Historische Anthropologie steht heute nicht mehr am Rande, sondern ist mittlerweile in das Zentrum des geschichtswissenschaftlichen Tuns gerückt. Als Ausweitung sozialgeschichtlicher Zugänge verstanden ist sie vom Bemühen getragen, Menschen in ihren subjektiven Wirklichkeiten in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Historische Anthropologie, wie diese an diesem Lehrstuhl verstanden wird, ist an den Haltungen und Handlungen der (auch „einfachen“) Menschen innerhalb der für sie relevanten gesellschaftlichen politischen, ökonomischen, sozialen oder kulturellen Strukturen interessiert. Die Verknüpfung historischer und kulturanthropologischer Fragestellungen, Theorien und Methoden ist dabei ein wichtiger Orientierungspunkt.