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Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Osteuropas

Forschung

 

I. Landschaften der Verfolgung 

II. Diktaturen als alternative Ordnungen

III. Orte der Macht

IV. Gegeißelte Musen? Komponisten in der Stalin-Zeit

V.  Kollektiv durch die Krise. Transformation von Herrschaft nach Stalin und Mao, 1952-1957 und 1975-1981 

 

 

I.   Landschaften der Verfolgung. Forschungsverbund zur Erfassung und Analyse der politischen Verfolgung in SBZ und DDR

 

Im Januar 2019 nimmt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte interdisziplinäre Verbundprojekt „Landschaften der Verfolgung“ seine Arbeit auf. Gegenstand des auf vier Jahre angelegten Vorhabens ist die Erstellung einer Datenbank mit den Namen und Biographien aller Opfer kommunistischer Diktaturen zwischen 1945 und 1989. Auf Grundlage dieser Daten können erstmals exakte Aussagen zur Gesamtzahl der Getöteten, Deportierten und aus politischen Gründen Inhaftierten in der SBZ und der DDR getroffen werden. Zudem widmen sich die Teilprojekte des Forschungsverbundes dem individuellen und kollektiven Umgang mit Repression und Verfolgung, der zunehmenden Verrechtlichung von Herrschaft in der DDR sowie der Erforschung von Spätfolgen der Hafterfahrungen.

Sprecher des Forschungsverbunds ist Prof. Dr. Jörg Baberowski. Über den Lehrstuhl Geschichte Osteuropas hinaus, an dem drei Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter besetzt werden, sind zahlreiche inner- und außeruniversitäre Partner an dem Vorhaben beteiligt. Neben der Gedenkstätte Hohenschönhausen, die bei der Erstellung der Datenbank federführend ist, beteiligen sich das Menschenrechtszentrum Cottbus, die Robert-Havemann-Gesellschaft, die Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam an dem Vorhaben. Zudem sind auch Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig (Universität Passau), Prof. Dr. Johannes Weberling (Viadrina Frankfurt/Oder) und Prof. Dr. Isabella Heuser (Charité – Universitätsmedizin Berlin) Teil des Projekts.

Das Verbundprojekt „Landschaften der Verfolgung“ wird vom BMBF als eines von vierzehn Projekten gefördert, die sich mit der Geschichte der DDR auseinandersetzen sollen. Zu den zentralen Zielen dieser Forschungsinitiative zählt eine stärkere Verankerung der DDR-Forschung an den Hochschulen sowie die engere Vernetzung von (außer-)universitärer Forschung und Gedenkstätten. Auf diese Weise sollen Forschungsergebnisse einer interessierten Öffentlichkeit noch besser zugänglich gemacht werden.

 

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II.  Diktaturen als alternative Ordnungen

 

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III. Orte der Macht

 

 

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IV. Gegeißelte Musen? Komponisten in der Stalin-Zeit

 

Das Forschungsvorhaben legt als Hauptthese die Beobachtung zugrunde, dass die Steuerung der sowjetischen Musik durch den stalinistischen Machtapparat in ihrer Auswirkung auf die einzelnen Komponisten deutlich weniger kohärent ausfiel als die der Nachbarkünste. Die Ursache hierfür ist in der spezifischen Sprache der Musik zu suchen: Chiffriert durch Töne agiert sie auf einer abstrakten Ebene, die subjektiv-emotional rezipiert wird. Hierdurch ließ sie sich weitaus schwerer instrumentalisieren als andere Kunstformen, auch wenn die Kulturbürokratie mit der Schaffung eines zentralen Verbandes und der Initiierung ideologischer Kampagnen in allen Kulturbereichen ähnliche Mechanismen installierte, um auf diese Weise eine umfassende Kontrolle der musikalischen Produktion und Aufführung zu erreichen. Nicht zuletzt unterschied sich daher auch das Ausmaß an Repressionen gegen die Musikschaffenden von anderen Kunstbereichen: Kein Komponist der Stalin-Zeit fand durch das Regime den Tod.

Das Dissertationsprojekt beabsichtigt, anhand der Biographien ausgewählter sowjetischer Komponisten deren Lebenswege und künstlerisches Schaffen im Spiegel des gesellschaftspolitisch-ideologischen Kontextes der Stalin-Zeit zu untersuchen und herauszuarbeiten, wie es den Musikschaffenden gelang, eigene Handlungs- und Entwicklungsspielräume zu entwickeln und so Nischen jenseits dogmatisch-ideologischer Grenzen zu schaffen. Auf diese Weise soll die Musik der Stalin-Zeit neu verortet werden und letztendlich das Bild einer umfassend repressierten Kunst Relativierung finden.

 

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V.  Kollektiv durch die Krise. Transformation von Herrschaft nach Stalin und Mao, 1952-1957 und 1975-1981

 

Stalinismus und Maoismus waren Terrorregime, denen Millionen von Menschen zum Opfer fielen. In der Sowjetunion und in China hatte die Willkürherrschaft Stalins bzw. Maos furchtbare Verheerungen angerichtet, die Gesellschaften in Angst und Schrecken versetzt, das politische System und die Ökonomie zerrüttet. Es gibt keinen Zweifel, dass die brutalen Exzesse von den Tyrannen ausgelöst wurden, die sich das System unterworfen hatten. Sie setzten die Terrorwellen in Gang und beendeten sie auch wieder. Mit dem Tod Stalins im März 1953 und Mao Zedongs im September 1976 kam der Massenterror an ein Ende, nicht aber die Systeme, in deren Namen die Führer Furcht und Schrecken verbreitet hatten. Die Gewalt wurde beendet, und es waren die Täter und Gefolgsleute Stalins und Maos, die diese Leistung vollbrachten. Wie konnte es gelingen, der Gewalt ein Ende zu setzen, ohne das Herrschaftssystem zu verändern? Und warum einigten sich die Nachfolger der Tyrannen darauf, den Terror einzustellen und untereinander Frieden zu halten? Das ist das Thema des Forschungsprojekts, das sich auf die ersten Jahre des Übergangs von der Tyrannei zur kollektiven Führung konzentriert.

Sowohl in der Sowjetunion der frühen 1950er Jahre als auch im China der späten 1970er Jahre vollzog sich der Herrschaftswandel von der tyrannischen Alleinherrschaft zu einer autoritären Ordnung im Modus der Krisenbewältigung einer so genannten „kollektiven Führung“. Nur als Repräsentation von Einheit konnte das System nach dem Tod der Tyrannen stabilisiert werden. In der Sowjetunion traten das Präsidium (Politbüro), der Ministerrat und der Oberste Sowjet noch Stunden vor Stalins Tod zusammen, um den Übergang zu orchestrieren; einen Monat später gaben sie ihrem Herrschaftsstil auch einen Namen: kollektive Führung. In China übernahm im Herbst 1976 mit Hua Guofeng zwar ein Mann die Nachfolge, der sich als Verwalter der ideologischen Hinterlassenschaft Maos verstand. Doch nach der neuerlichen Rehabilitierung Deng Xiaopings (Juli 1977) und Chen Yuns (Dezember 1978) trat der Ständige Ausschuss des Politbüros, trotz aller Konflikte in Chinas innerstem Führungskreis, als einheitliche Gruppe auf.

Weder Stalin noch Mao hatten einen Kronprinzen auserkoren, einen Nachfolger aufgebaut oder mitgeteilt, wie sie sich den Übergang vorstellten. Wie unterschieden sich die Antworten, die die Erben der Macht in der Sowjetunion und China auf diese Herausforderung fanden? Lernten Moskaus und Beijings Reformer voneinander, grenzten sie sich voneinander ab? Die Dimensionen Herrschaft und Machtdurchsetzung, Legitimation und Kommunikation sowie Vertrauen und Erwartungssicherheit strukturieren diese vergleichende Untersuchung, die deutlich machen will, wie das Prinzip der kollektiven Führung die neuen Machthaber zunächst miteinander, und dann mit der Bevölkerung verklammerte.

 

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