Im Zentrum der Forschung stehen die kritische Reflexion und Weiterentwicklung digitaler Methoden, Techniken und Standards für die Geschichtswissenschaften sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem digitalen Transformationsprozess im Fach.
Forschungsschwerpunkte
Datafizierung historischer Informationen für die geschichtswissenschaftliche Forschung
Bevor historische Informationen verarbeitet werden können, müssen sie zunächst einmal als digitale Daten repräsentiert und nutzbar gemacht werden. Das heißt, sie müssen zunächst formalisiert und als Daten modelliert werden, was jedoch nie zweckfrei erfolgen kann und stets mit Prozessen der Selektion und Abstraktion einhergeht. Wie genau wir die Daten jedoch formalisieren und modellieren prägt ganz entscheidend die Möglichkeiten, die uns später für deren Analyse zur Verfügung stehen. Dies schließt Fragen nach historischer Unsicherheit ebenso ein, wie die nach etwaigen Pfadabhängigkeiten der in diesem Prozess getroffenen Entscheidungen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Verwendung der Technologien des Semantic Web wie Linked Data, Ontologien und Knowledge Graphen für die Bereitstellung historischer Informationen als digitale Daten.
Methoden und Methodenkritik - mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Verwendung der Methoden des Maschinellen Lernens in der historischen Forschung
Die Methoden, auf die wir in neuen digitalen Ansätzen zurückgreifen, sind nicht voraussetzungfrei. Oftmals in ganz anderen Kontexten für ganz andere Verwendungszusammenhänge entwickelt, müssen sie zunächst kritisch geprüft und gegebenenfalls auch angepasst werden, bevor wir sie zielführend für die historische Forschung einsetzen können. Wir müssen also zunächst verstehen, wie genau wir sie für die Bearbeitung historischer Fragestellungen anwenden können, bevor wie sie einsetzen. Hierzu werden in einer Reihe kleinerer Projekte immer wieder unterschiedliche Methoden wie Text Reuse Analysis, Authorship Attribution, NER, oder auch die Bildklassifikation getestet und auf ihre Funktionsweise und deren Konsequenzen für das historische Arbeiten hin untersucht.
Epistemologische Konsequenzen der digitalen Transformation der Geschichtswissenschaften
Der Einsatz digitaler Medien und Methoden hat einen nachhaltigen Einfluss auch auf das Fach und Prozess der historischen Wissensbildung selbst. Wollen wir die digitalen Medien und Merthoden verantwortungsvoll in unserer Forschung anweden, müssen wir zunächst einmal verstehen, wie sie unser historisches Arbeiten beeinflussen und verändern. Konzepte wie Digitalität und Formalisierung, Modellierung und Skalierbarkeit spielen hier ebenso eine Rolle wir die Reflexion digitaler Verwendungsmechanismen, womit zugleich auch ein Beitrag zur Theorie der (digitalen) Geschichtswissenschaften geleistet wird.
Drittmittelprojekte – Forschung
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Die Performanz der Wappen (2).
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HERALDic Identity in Context. Datengetriebene Erforschung von Identitäten und dem Wechselverhältnis zwischen Gruppe und Individuum in heraldischer Kommunikation unter Verwendung einer Ontologie (Königreich Frankreich und Heiliges Römisches Reich, 12. bis 16. Jahrhundert)Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts spielen Wappen in ganz Europa eine entscheidende Rolle bei der Darstellung von Identität. Lange Zeit galten sie als persönliche Zeichen, die zur Identifizierung von Rittern in der Schlacht dienten. Neuere Forschungen haben ihre komplexe semiotische Natur offenbart, die von Anfang an zwischen dem Ausdruck persönlicher Identität und Zeichen der Gruppenzugehörigkeit schwankte. Als logische Fortsetzung früherer Projekte der Mitglieder des Konsortiums, die sich seit über zehn Jahren gemeinsam mit der Entwicklung heraldischer Datenbanken befassen, ist es das Ziel des HERALDIC-Projekts, digitale Methoden, die für die Beschreibung und Analyse von Wappen in ihrem Darstellungskontext entwickelt wurden, zu implementieren und auf Datensätze des französischen Königreichs und des Heiligen Römischen Reichs in der Zeit vom 12. bis 16. Jahrhundert anzuwenden. HERALDIC will die Formen und Funktionen der Individualisierung von Wappen erforschen, indem es die grafischen Variationen, die Chronologie, die Geografie, die Soziologie und die Protagonisten dieser Identitätszeichen, die Wappen also in ihrem Kontext untersucht.
Kooperationspartner: Prof. Dr. Laurent Hablot
Gefördert durch die DFG und die Agence Nationale de la Recherche (ANR).
Förderzeitraum: 2025–2028
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TextPloring: Forschungsdatenexploration in den Geisteswissenschaften mit dem LAUDATIO-RepositoryZiel des TextPloring-Projekts ist es, das in der historischen Sprachwissenschaft bereits etablierte LAUDATIO-Repository so zu erweitern und zu konsolidieren, dass auch andere geisteswissenschaftliche Fächer es zur umfassenden Erschließung und (Nach-)Nutzung historischer Textquellen einsetzen können. Am Beispiel der digitalen Geschichtswissenschaften soll demonstriert werden, wie ein ursprünglich fachspezifisches Repositorium mit seinen Werkzeugen im Hinblick auf die speziellen Anforderungen anderer Fächer ausgebaut werden kann.
Projektleitungen
Gefördert durch die DFG
Förderzeitraum: 2025–2027
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Drittmittelprojekte – Forschung und Lehre
AI-SKILLS- Anwendungsorientierte Infrastruktur für KI-Communities in Lehr-Lern-Settings (TP: Humanities)Ziel von AI-SKILLS ist es, Lehrende dabei zu unterstützen, den Studierenden aller Disziplinen die fachspezifische Auseinandersetzung mit KI-Methoden und KI-Technologien in der universitären Lehre forschungsbezogen und anwendungsorientiert zu vermitteln. Dazu vernetzt AI-SKILLS interessierte Lehrende in Communities of Practice, die sich gemeinsam dem Thema KI widmen. KI-Methoden spielen auch in den Geisteswissenschaften eine immer wichtigere Rolle. Eingebettet in verschiedene Fakultäten und Zentraleinrichtungen übergreifende Kooperation zielt das an der Digital History angesiedelte Teilprojekt darauf ab, die Vermittlung dieser Methoden praxisorientiert in die geisteswissenschaftliche Lehre an der Humboldt-Universität zu verankern. Dies umfasst unter anderem auch den Aufbau eines JupypterHubs für die universitäre Lehre sowie die Einführung von Computational Essays als Prüfungsformat.
Förderzeitraum: 2021–2025 |
Dissertationsprojekte
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Philipp Schneider:Coat of Arms in ContextThe Aggregation and Analysis of Heraldic Data on Wall and Ceiling Paintings in French and German Speaking Areas (1300-1600) with Semantic Web TechnologiesZiel der Dissertation ist die Erschließung und geschichtswissenschaftliche Analyse heraldischer Wand- und Deckenmalereien mittels Semantic Web Technologien. |
Sonstige Forschungsprojekte
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Digital HeraldryDas Projekt erprobt die Verwendung neuer Methoden aus der Informatik für die Erforschung vormoderner Heraldik. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Verfahren aus dem Bereich des maschinellen Lernens die zur Identifizierung, Beschreibung und Kontextualisierung von Wappen als historischen Bildquellen genutzt werden können. |
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Geschichte der digitalen GeschichtswissenschaftenDie digitalen Geschichtswissenschaften blicken bereits auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Dennoch hat es immer wieder den Anschein, dass wir erst am Beginn einer Entwicklung stehen. Der Forschungsschwerpunkt zielt darauf ab, dieses Paradox aufzuheben und die aktuellen Entwicklungen im Fach in eine längere Perspektive einzuordnen. Denn erst das Bewusstsein um die eigene Geschichte und der Blick auf die bereits geleistete Entwicklungsarbeit werden es uns erlauben, die digitalen Geschichtswissenschaften nachhaltig zu etablieren und unsere Kenntnisse in diesem Bereich systematisch zu erweitern. |
Forschungsdaten
An der Professur für Digital History werden folgende Datenprojekte aufgebaut und betreut.
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Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in BerlinAuf der Basis der Zentralhandelsregisterbeilage des „Deutschen Reichsanzeigers und Preußischen Staatsanzeigers“ sowie der Auswertung verschiedener Aktenbestände, zeitgenössischer Zeitungen, Adress- und Handbücher und Druckschriften vereint die Datenbank die wichtigsten Grunddaten von über 8.000 Unternehmen, die ab 1933 nachweislich als jüdisch betrachtet und mithin verfolgt wurden. |
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Burgundische HeroldsdatenbankDie Datenbank, die zwischen 2003 und 2009 am Deutschen Historischen Institut in Paris entstand, umfasst über 5000 Belege und Quellenexzerpte zu Herolden aus ganz Europa, die zwischen 1389 und 1519 in burgundischen Quellen, allen voran den Rechnungen und der Historiographie erwähnt werden. Ziel des Projektes ist es, diese Legacy Data mit einer entsprechenden Ontologie versehen in RDF umzuwandeln und bereitzustellen. |







