Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Osteuropas

Muharrem Uğur Tosun

Name
Muharrem Uğur Tosun

Kurzvita

 

1991

geboren in Istanbul, der Republik Türkei

2009-2014

Studium der Politikwissenschaft und Staatsverwaltung an der Universität Istanbul
Abschluss: B.A.

2014-2015

Studienvorbereitender Russischkurs an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität

2015-2017

Studium der Zeitgeschichte Russlands an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität
Abschluss: M. A.

seit 2018

Promotion im Fach osteuropäische Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin

Sprachkenntnisse: Türkisch (Muttersprache); Englisch, Russisch, Deutsch (Lesen, Schreiben, Reden); Italienisch, Französisch (Lesen).

Forschung / Dissertationsprojekt

 

Wirtschaftsrefom und Wirtschaftsentwicklung in der Sowjetunion, 1965 bis 1980

Die Wirtschaftsreform von 1965 und die nachfolgende ökonomische Entwicklung der UdSSR im Verlauf der Umsetzung der achten, neunten und zehnten Fünfjahrespläne vor dem Hintergrund des dritten Programmes der KPdSU

Trotz der Tatsache, dass die Wachstumsrate der Sowjetindustrie nach offiziellen Angaben von 16 Prozent im Jahr 1951 auf 9,7 Prozent im Jahr 1960 zurückgegangen war, stellte das 1961 vom XXII. Parteitag angenommene neue Programm der KPdSU die Aufgabe, mit einem 9-10-prozentigen jährlichen Wachstum der Industrieproduktion über 20 Jahre eine kommunistische Gesellschaft bis 1980 aufzubauen. Angesichts einer weiter nachlassenden Wachstumsrate der Sowjetindustrie wurde zuerst in den Jahren 1962/64 auf den Seiten der Zeitung „Prawda“ eine Debatte über die Verbesserung der Wirtschaftsleitung und Planung entfesselt und dann im Jahr 1965 auf der September-Tagung des ZK der KPdSU wurde eine Resolution angenommen, die den Beginn einer Wirtschaftsreform markierte. Der Gegenstand der Forschung ist diese Wirtschaftsreform von 1965 und die darauffolgende Entwicklung der Sowjetindustrie bis das Jahr 1980. Um die Hintergründe der Reform zu zeigen, setzt sich die Forschung zunächst mit der Gesamtentwicklung der Sowjetindustrie in den Jahren 1917/61 auseinander. Dabei werden nicht nur die Errungenschaften, sondern auch die Schwächen der sowjetischen Planwirtschaft erörtert, die eine langfristige Tendenz zu deren marktgebunden Reformierung determinierten. Hiernach resümiert die Forschung die Beiträge zur Debatte von 1962/64 und gibt einen abschließenden Überblick die Ergebnisse des Siebenjahresplanes zur Entwicklung der Volkswirtschaft der UdSSR (1959/65) im Industriesektor, zu dessen Ende Chruschtschow wegen Versagen abgesetzt wurde. Unter Berücksichtigung des subjektiven Faktors zeigt die Forschung den Lebensweg und die wirtschaftspolitischen Ansichten Kossygins als des neuen Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR und Initiators der Wirtschaftsreform. Ferner werden die grundsätzlichen Bestimmungen der Wirtschaftsreform behandelt, die Entwicklung der Wirtschaftsordnung der UdSSR nach der Reform bis 1980 wird dargestellt. Die Forschung zieht die Bilanz der allgemeinen und zweigbezogenen Entwicklung der Sowjetindustrie im Zeitraum der achten (1966/70), neunten (1971/75) und zehnten (1976/80) Fünfjahrespläne. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die Effizienz und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt in den Industriezweigen gelegt. Die Forschung bringt die Erfolge, ungelöste Probleme und Misserfolge der Sowjetindustrie im Betrachtungszeitraum in Zusammenhang mit der Abwicklung der Planwirtschaft und der UdSSR selbst Anfang der 1990er Jahre. Bei der Forschung werden Partei- und Regierungsbeschlüsse, Reden, Aufsätze und Berichte hochrangiger Partei- und Staatsfunktionäre, Memoirenliteratur, sowjetische und U.S.-amerikanische Statistiksammlungen umfassend genutzt. Da die nachstalinsche Wirtschaftsgeschichte und die ökonomischen Hintergründe des Untergangs der UdSSR ein bisher kaum gründlich erforschtes Gebiet sind, ist diese Forschung ein Schritt nach vorne, um die große Lücke in ihm zu schließen.