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Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Osteuropas

Sebastian Franzen

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Sebastian Franzen
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Kurzvita | Forschung

 

Kurzvita

1979 geboren in Marl
2002-2014 Studium der Neueren/Neueste Geschichte und Kunst- und Kultur-wissenschaften an der HU-Berlin und der Universität Potsdam
05/2007 Forschungsaufenthalte in Moskau (Deutsche Kriegsgräberstätte Moskau Ljublino) und Volgograd (Deutsch-russische Gedenkstätte Rossoschka) im Rahmen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. 
06/2010 Forschungsaufenthalt in Riga/Salaspils 
07/2012 Forschungsaufenthalt in Volgograd (Deutsch-russische Gedenkstätte Rossoschka) im Rahmen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
03/2014 Magister Artium -Titel der Arbeit: „Genese der Gewalt – Von der Republik Lokot zur 29. Waffen-Grenadier-Division SS RONA (russische Nr. 1)“ 
seit 2014 Promotion am Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas der Humboldt- Universität zu Berlin (Antragsverfahren)

Forschung

Dissertation/Forschungsprojekt: "Gewalt in asymmetrischen Konflikten – Das Leben und Wirken des russischen Kollaborateurs Bronislav V. Kaminskij und der 29. Waffen-Grenadier-Division SS RONA (russische Nr. 1)"

Das Forschungsvorhaben behandelt die Thematik der russischen Kollaboration während des deutsch-sowjetischen Krieges 1941 – 1945 anhand des Beispieles des Gewalttäters und Kriegsverbrechers Bronislav Vladislavovič Kaminskij.

Im Jahre 1941/42 ernannte sich Kaminskij zum Bürgermeister von Lokot. Er scharte bewaffnete Männer um sich, nahm Geiseln und proklamiert einen unabhängigen russischen Staat der mit den deutschen Besatzern den Schulterschluss übte.

Das geplante Forschungsvorhaben wird anhand drei thematischer Schwerpunkte erarbeitet.

Im ersten Teil soll Kaminskij biographisch erfasst werden, um die bis heute noch bestehenden Lücken in der Vita Kaminskijs zu schließen. Methodisch soll dies anhand der Beschreibung und Analyse der Gewalträume geschehen, in denen er sich bewegte. Kaminskijs Referenzrahmen während des russischen Bürgerkriegs, während des stalinistischen Terrors der 1930er Jahre und zu Beginn des deutsch- sowjetischen Krieges soll analysiert werden, um schließlich sein Handeln nach 1941 verstehbar zu machen.

Im zweiten Teil des Forschungsprojektes sollen die von Kaminskij und den deutschen Militärs geschaffenen Selbstverwaltungsbezirke Lokot (1942 – 1943) und Lepel (1943-1944) genauer untersucht werden. In beiden Fällen handelt es sich um einmalige Beispiele eines weitestgehend russisch- autonomen Modells der deutschen Besatzungspolitik während des Ostkrieges. Anhand dieser Beispiele soll Kaminskijs Vorstellung von Ordnung und Staatlichkeit verifiziert werden. Wie bewegten sich Kaminskij und seine Miliztruppen in den von ihnen beherrschten Räumen? Wie sah die Partizipation und Interaktion zwischen Kaminskij und seinen Anhängern, mit den prosowjetischen Partisanen, mit den deutschen Besatzungstruppen und den übrigen dort lebenden Menschen aus?

Der dritte Teil des Dissertationsvorhabens beschäftigt sich mit Kaminskijs Volkswehr und der späteren Russischen Volksbefreiungsarmee (RONA - Russkaja Osvoboditel’naja Narodnaja Armija). Die RONA soll dabei nicht nur aus militärhistorischer Perspektive heraus betrachtet werden, sondern vorallem aus der struktur- und sozialgeschichtlichen Perspektive heraus, um ein weiteres Forschungsdesiderat zur Geschichte der „Fremdvölkischen Verbände“ in der Waffen-SS zu schließen. Kaminskijs Verbände kämpften im asymmetrischen Partisanenkrieg in Osteuropa und unterlagen einer eventuell typischen Dynamik der Gewaltentwicklung in den durch den Krieg geschaffenen Räumen. Ein komparativer Blick auf ähnliche Verbände, wie z. B. das Sonderregiment Dirlewanger, soll Aufschluss über die gewaltdynamischen Entwicklungen und die militärische Zweckmäßigkeit der Kaminskij Truppe geben und den Referenzrahmen der Soldaten beschreiben und analysieren, um auch hier das Agieren der Truppe verstehbar zu machen.